Das Wichtigste in Kürze

  • Eine chronische Nierenerkrankung (CKD) verläuft oft über Jahre ohne Beschwerden – in Deutschland sind schätzungsweise 8 bis 10 Millionen Menschen betroffen, viele ohne es zu wissen.
  • Zur Früherkennung genügen zwei einfache Werte: die Nierenfunktion im Blut (eGFR) und Eiweiß im Urin (Albumin-Kreatinin-Quotient, UACR).
  • Besonders gefährdet sind Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht/Adipositas sowie ältere Menschen.
  • Früh erkannt, lässt sich das Fortschreiten heute wirksam bremsen – moderne Medikamente (SGLT2-Hemmer) können die Nierenfunktion über Jahre schützen.

Die Nieren gehören zu den stillsten Organen des Körpers. Sie filtern täglich rund 180 Liter Primärharn aus etwa 1.500 Litern durchströmendem Blut, regulieren Blutdruck, Wasser- und Mineralhaushalt und entsorgen Stoffwechselprodukte – und das meist völlig unbemerkt. Genau darin liegt die Gefahr: Eine nachlassende Nierenfunktion verursacht lange keine Schmerzen und keine eindeutigen Symptome. Wenn Beschwerden auftreten, ist oft schon ein erheblicher Teil der Nierenleistung verloren. Ein gezielter Nieren-Check-up kann eine chronische Nierenerkrankung Jahre früher aufdecken – zu einem Zeitpunkt, an dem sich das Fortschreiten noch wirksam beeinflussen lässt.

Was ist eine chronische Nierenerkrankung (CKD)?

Von einer chronischen Nierenerkrankung (englisch chronic kidney disease, CKD) spricht man, wenn die Nierenfunktion eingeschränkt ist oder Anzeichen einer Nierenschädigung bestehen und diese Veränderungen mindestens drei Monate anhalten. Diese Zeitspanne unterscheidet die chronische von einer akuten, oft vorübergehenden Nierenschwäche.

Zwei Größen beschreiben die Erkrankung: die glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) als Maß der Filterleistung und die Albuminurie als Maß der Eiweißausscheidung im Urin. Beide zusammen bestimmen Schweregrad und Risiko.

Die Stadien der Nierenfunktion (eGFR)

Stadium eGFR (ml/min/1,73 m²) Bedeutung
G1 ≥ 90 normal (mit Zeichen einer Nierenschädigung)
G2 60–89 leicht vermindert
G3a 45–59 leicht bis mäßig vermindert
G3b 30–44 mäßig bis stark vermindert
G4 15–29 stark vermindert
G5 < 15 Nierenversagen

Ergänzend wird die Eiweißausscheidung in drei Kategorien eingeteilt: A1 (normal, unter 30 mg/g), A2 (moderat erhöht, 30–300 mg/g) und A3 (stark erhöht, über 300 mg/g). Schon eine geringe, dauerhafte Albuminurie ist ein wichtiges Warnsignal – nicht nur für die Nieren, sondern auch für Herz und Gefäße.

Warum die Erkrankung so oft unbemerkt bleibt

Die Nieren verfügen über große Reserven. Selbst wenn ein Teil des Gewebes seine Funktion einbüßt, gleichen die verbleibenden Anteile dies lange aus. Deshalb fühlen sich Betroffene über Jahre gesund. Erst spät zeigen sich unspezifische Zeichen wie Müdigkeit, Wassereinlagerungen, Bluthochdruck oder schäumender Urin. Aktuelle Analysen zeigen, dass ein erheblicher Teil der Nierenerkrankungen in Deutschland unerkannt bleibt – obwohl die entscheidenden Tests einfach und kostengünstig sind.

Risikofaktoren: Wer sollte sich untersuchen lassen?

Ein Nieren-Check-up ist besonders sinnvoll, wenn einer oder mehrere der folgenden Faktoren vorliegen:

  • Diabetes mellitus – die häufigste Ursache einer CKD.
  • Bluthochdruck – schädigt die feinen Nierengefäße und wird zugleich durch die Nierenschwäche verstärkt.
  • Übergewicht und Adipositas – ein eigenständiger, häufig unterschätzter Risikofaktor.
  • Höheres Lebensalter sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Nierenerkrankungen in der Familie, Rauchen und die regelmäßige Einnahme bestimmter Schmerzmittel (NSAR).

Der Nieren-Check-up: Welche Untersuchungen gehören dazu?

Ein aussagekräftiger Check-up ist unkompliziert und in kurzer Zeit möglich:

  • Blutuntersuchung: Bestimmung von Kreatinin und Berechnung der eGFR.
  • Urinuntersuchung: der Albumin-Kreatinin-Quotient (UACR) deckt bereits kleinste Eiweißverluste auf.
  • Blutdruckmessung – eng mit der Nierengesundheit verknüpft.
  • Ultraschall der Nieren bei der Erstdiagnose, um Form, Größe und Auffälligkeiten zu beurteilen.

Aus diesen Werten lässt sich das individuelle Risiko einschätzen – moderne Risikoscores wie die Kidney Failure Risk Equation (KFRE) beziehen dabei auch das Lebensalter mit ein.

Moderne Therapie: heute mehr als nur „bremsen“

Die Behandlung der chronischen Nierenerkrankung hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. Standen früher vor allem Blutdruck- und Blutzuckerkontrolle im Vordergrund, stehen heute Medikamente zur Verfügung, die den Krankheitsverlauf direkt verlangsamen:

  • RAAS-Blockade (ACE-Hemmer oder Sartane) senkt Blutdruck und Eiweißausscheidung.
  • SGLT2-Hemmer (Gliflozine) bremsen das Fortschreiten der Nierenerkrankung – zunehmend belegt auch unabhängig vom Stadium und unabhängig von einem Diabetes. Fachlich wird inzwischen sogar von einem möglichen Stillstand der Verschlechterung gesprochen.
  • Gewichtsmanagement: Da Übergewicht die Nieren zusätzlich belastet, ist eine gezielte Adipositas-Therapie ein wichtiger Baustein. Der wissenschaftliche Zusammenhang von Nierenheilkunde und Gewicht wird unter nephrobesity.com vertieft.
  • Lebensstil: maßvoller Salzkonsum, Rauchstopp und das Meiden nierenschädigender Schmerzmittel unterstützen die Therapie.

Welche Behandlung im Einzelfall geeignet ist, hängt von vielen persönlichen Faktoren ab und gehört in ärztliche Hände. Die genannten Punkte ersetzen keine individuelle Beratung.

Wann ist eine nephrologische Mitbetreuung sinnvoll?

Eine Überweisung zum Facharzt für Nephrologie ist unter anderem angezeigt bei einer eGFR unter 30 ml/min, bei einer eGFR unter 60 ml/min mit weiteren Hinweisen auf eine Nierenschädigung, bei rascher Verschlechterung der Nierenwerte, bei deutlicher Albuminurie sowie bei unklaren oder erblichen Nierenerkrankungen. In der Nierenheilkunde unserer Praxis ordnen wir Ihre Werte ein und stimmen die weitere Betreuung eng mit Ihrer hausärztlichen Versorgung ab.

Häufige Fragen

Ab wann spricht man von einer chronischen Nierenerkrankung?

Wenn die Nierenfunktion eingeschränkt ist (eGFR unter 60) oder Zeichen einer Nierenschädigung – etwa eine erhöhte Albuminausscheidung – bestehen und diese Veränderungen mindestens drei Monate anhalten.

Merke ich selbst, wenn meine Nieren nachlassen?

In der Regel nicht. Eine chronische Nierenerkrankung verläuft lange ohne spürbare Symptome. Deshalb ist die gezielte Untersuchung von Blut und Urin so wertvoll.

Welche Untersuchungen gehören zum Nieren-Check-up?

Die Bestimmung der eGFR im Blut, der Albumin-Kreatinin-Quotient im Urin, eine Blutdruckmessung und bei Erstdiagnose ein Ultraschall der Nieren.

Kann man eine chronische Nierenerkrankung aufhalten?

Heilen lässt sie sich meist nicht, das Fortschreiten aber deutlich verlangsamen. Moderne Medikamente wie SGLT2-Hemmer schützen die Nierenfunktion oft über viele Jahre – vorausgesetzt, die Erkrankung wird früh erkannt.

Welche Rolle spielt Übergewicht für die Nieren?

Adipositas ist ein eigenständiger Risikofaktor für eine nachlassende Nierenfunktion. Eine wirksame Gewichtsreduktion kann die Nieren entlasten – ein Schwerpunkt an der Schnittstelle von Nephrologie und Stoffwechsel.

Quellen

  • KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease (Kidney International, 2024).
  • DEGAM/DGfN: Aktualisierte S3-Leitlinie „Versorgung von Patientinnen und Patienten mit chronischer, nicht-nierenersatzpflichtiger Nierenerkrankung“ (2024).
  • InspeCKD – Analyse zur Prävalenz, Diagnose und Therapie der chronischen Nierenerkrankung (Die Innere Medizin, 2024/2025).
Medizinisch geprüft von Dr. med. Amir S. Naderi
Facharzt für Innere Medizin & Nephrologie (FASN), Hamburg. Schwerpunkte: Nierenheilkunde, Bluthochdruck und Adipositas-Therapie. Mehr zur Nierenheilkunde in unserer Praxis und zum wissenschaftlichen Hintergrund unter nephrobesity.com.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.